Rathaus Bockhorn

Die Grünbacher Flureiche 

Wolfgang Fritz ist ein Beobachter, Sammler und Spurensicherer, der seine Fundstücke wie „Readymades der Natur“ präsentiert oder sie mit Sägen, Stemmen, Hobeln, Schnitzen und Schleifen so sensibel verändert, dass die Formen seinen Imaginationen entsprechen und gleichzeitig die innewohnenden Kräfte sichtbar machen.

Er beobachtet und begleitet das Sterben alter Bäume. Er weiß allerdings auch, dass das Holz noch lange nicht nach dem Fällen eines Baumes stirbt (der Baum stirbt, das Holz lebt!): Holz „geht“, Holz „arbeitet“ sagen die Schreiner, es dehnt sich aus, zieht sich zusammen oder es krümmt sich – es duftet und es lebt weiter! Wolfgang Fritz interessiert sich für dieses zweite Leben und gerade für Holzstücke, die nicht mehr für den Haus-, Möbel- oder Instrumentenbau taugen, vielleicht nicht einmal für Brennholz. Von seiner Gebrauchs-Funktion befreit, wird
ein Holzstück umso stärker zum alleinigen Sinnbild.

Das belegen Arbeiten seiner letzten Jahre:
Im Amtsgericht Erding die Gerichtslinde, die Neufahrner Linde in Walpertskirchen, die Beyerberger Friedhofslinde und hier in unserer Ausstellung, die Grünbacher Flureiche.

(…) Das Konzept von Wolfgang Fritz beinhaltet keine Intervention, keinen direkten Eingriff ins gesellschaftspolitische Leben wie bei Joseph Beuys. Wir müssen dafür sorgen, dass seine „Baumstücke“ nicht zu musealen Relikten einer verschwindenden Natur werden!
Alle hier ausgestellten Skulpturen sind aus demselben Holz geschnitzt, aus dem der Grünbacher Flureiche. In allen Stücken steckt die Sehnsucht, Natur bewahren und erhalten zu wollen. Ein kleineres Stück vom Baum wird zu einem Flügel, der Künstler nennt ihn Ikarus. Ich erinnere mich dabei wieder an die Bockhorner Tabernakel-Engel! Mir ist aufgefallen, dass diese ungewöhnlich große Flügel haben.

Ein Naturdenkmal verwandelte sich zu einem Kunstdenkmal!
Den Mittelpunkt dieser Ausstellung bildet der mächtige Stamm.
Man sieht ihm den Kraftaufwand kaum noch an, der hinter seiner Bearbeitung steckt.
Wolfgang Fritz hat ihn ausgehöhlt und auf den Kopf gestellt. Der vorher in sich zusammengebrochene alte geschundene Baum entfaltet sich nun und öffnet sich wieder in der Form einer Vase nach oben. Da wo vorher die ausladenden Äste waren, sind jetzt Ausblicke, Einblicke und Durchblicke. Ein ornamentales Netzwerk von Rissen zeigt, dass bei der Bearbeitung neue Kräfte entstanden, oder sich Energien entluden. Der Stamm wurde befreit von allem Morschen und damit von allem Morbiden. Durch seine Entkernung wird er leicht, nähert sich dem Gedanklichen, dem Geistigen. Sinnbildlich bekommt auch er Flügel.
(…)

Aus der Laudatio von Anton Empl (Bockhorn, 16. 05. 2007

 



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